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Neues Kapitel in der deutsch-britischen Freundschaft

Programmatischer Text der Deutsch-Britischen Gesellschaft Berlin-Brandenburg e.V., 31. Mai 2021

In der reichen, vielfältigen Geschichte der deutsch-britischen Beziehungen hat am 1. Januar 2021 ein neues Kapitel begonnen. Es wird Teil der in den vergangenen über 70 Jahren gewachsenen engen Kooperation des Vereinigten Königreichs und der Bundesrepublik Deutschland sein. Über die Jahrzehnte sind enge, freundschaftliche Verbindungen zwischen beiden Ländern in allen Bereichen von Staat, Wirtschaft und Gesellschaft entstanden.

Gerade die letzten 20 Jahre haben der deutsch-britischen Freundschaft neuen Schwung verliehen. Hunderttausende von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern haben dank Erasmus und anderen Programmen das Partnerland gut kennenlernen dürfen. Die Zusammenarbeit der Zivilgesellschaften beider Länder war eng und von großem gegenseitigen Vertrauen und vielen, auch historischen Ähnlichkeiten in den Strukturen, Positionen und Wertungen gekennzeichnet. Als profilierte Verteidiger freien Handels und offener Märkte konnten deutsche und britische Politik und Wirtschaft in der Europäischen Union freiheitliche und marktwirtschaftliche Maximen mit Leben erfüllen. Und nicht zuletzt gab es in außen- und sicherheitspolitischen Fragen zwar nicht immer, aber an entscheidenden Stellen einen Konsens, der auf andere ausstrahlte.

Die von der Gesellschaft mit ihrem britischen Partner und mit Unterstützung der Regierungen jedes Jahr durchgeführten Königswinter-Konferenzen bieten für die Erarbeitung und Formulierung von gemeinsamen Positionen eine Plattform, wie es sie in dieser Form mit keinem anderen Land gab und gibt. Die Konferenzen haben Vertrauen und Freundschaften begründet.

  • Unabhängig vom Austritt Großbritanniens aus der EU gibt es weiterhin eine Reihe gemeinsamer Interessen, beispielsweise die unverändert engen wirtschaftlichen Verflechtungen,
  • die Notwendigkeit einer neuen Sicherheitsarchitektur für Europa,
  • die kongruenten Positionen, die es in zahlreichen internationalen Organisationen, etwa den Vereinten Nationen, der NATO, der OSZE, dem Europarat usw. gemeinsam zu vertreten gilt,
  • die fortbestehenden strategischen geopolitischen weltweiten Interessen beider Länder,
  • der unverändert hohe Bedarf an gemeinsamen Anstrengungen in Forschung und Bildung,
  • das drängender gewordene Anliegen, durch Jugendaustausch, Städtepartnerschaften und andere Programme bestehende Verbindungen nicht abreißen und neue entstehen zu lassen.

Die Deutsch-Britische Gesellschaft wird daher alle nur denkbaren Anstrengungen unternehmen, um den Dialog in diesen Bereichen zu vertiefen und ihre Arbeit noch intensiver und zielgerichteter zu gestalten. Sie weiß sich hierbei mit vielen anderen Bewegungen, Organisationen und Institutionen im Vereinigten Königreich und in Deutschland einig, ganz besonders der British German Association, London, dem UK Koenigswinter Steering Commitee und den Mitgliedern des Netzwerks deutsch-britischer Vereinigungen in Deutschland.

Insbesondere wird die Deutsch-Britische Gesellschaft den über 70 Jahre erfolgreichen Königswinter-Prozess fortsetzen. Die klassische Königswinter-Konferenz (mit Multiplikatoren aus Politik, Wirtschaft, Finanzen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft) wird auch künftig jährlich abwechselnd in Deutschland und Großbritannien das führende deutsch-britische Forum für den freien, offenen, persönlichen und vertraulichen Gedankenaustausch sein. Die Konferenz soll für ein besseres gegenseitiges Verständnis der jeweiligen Entwicklungen in Staat und Gesellschaft sorgen und Missverständnissen vorbeugen. Das gilt auch für die weiteren Königswinter-Konferenzen in den Bereichen Wirtschaft und Finanzen sowie Sicherheit und Verteidigung.

Besondere Bedeutung für die Zukunft der deutsch-britischen Beziehungen haben die Young Königswinter-Konferenzen, die gerade in den letzten Jahren großen Zuspruch in beiden Staaten gefunden haben. Die jungen Menschen haben es in der Hand, dass die kommenden Generationen die deutsch-britische Freundschaft pflegen und ausbauen; die Deutsch-Britische Gesellschaft will ein Teil dieser Entwicklung sein. Das Netzwerk der 12 Deutsch-Britischen Gesellschaften in Deutschland wird wie bisher durch qualifizierte Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen zum Verständnis für britische Angelegenheiten in Deutschland beitragen.

Dabei sind uns in allen unseren Aktivitäten die Worte von Prince Charles am 15. November 2020 in Berlin Inspiration und Orientierung: „Wir werden immer Freunde, Partner und Verbündete sein.“